Indonesien


Der internationale Aufschrei war groß: Tierschützer und Medien hatten die Zustände des Zoos von Surabaya vehement kritisiert. Die dortige Stadtverwaltung hat nun darauf reagiert: Sie setzte ein neues Management ein und holte sich mit der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz e.V. und der internationalen Tierschutzorganisation WildWelfare unabhängige und offizielle Gutachter und Berater ins Land.

Vom 28. April bis 3. Mai 2014 reiste Dr. Julia Gräfin von Maltzan zusammen mit Dave Morgan von WildWelfare nach Surabaya, um die Zustände im dortigen Zoo genau zu untersuchen. Der Zoo war in nationalen wie internationalen Medien gleich mehrmals in vehemente Kritik  geraten. Die dortige Tierhaltung, so hieß es, entspreche nicht dem internationalen Standard und weise etliche Missstände auf.  Die Stadtverwaltung hatte sich diese Kritik zu Herzen genommen und vor acht Monaten selbst das Management des Zoos übernommen. Um die Haltungsbedingungen zu verbessern, holte sie sich in Abstimmung mit dem Welt-Zoo-Verband (WAZA) und in Zusammenarbeit mit der regionalen South East Asian Association of Zoos an Aquariums (SEAZA) nun die internationalen Experten ins Haus. Dieser Einsatz wurde auch vom amerikanischen Konsul Joaquin Monserrate gefördert und unterstützt.

In Surabaya wurden Dr. Maltzan und Dave Morgan sehr freundlich empfangen, und schon schnell stellte sich heraus, dass Management und Stadtverwaltung tatsächlich hart daran arbeiten, den Zoo für Tiere und Besucher attraktiver zu gestalten. In den acht Monaten seit der Übernahme hatte sich bereits einiges zum Positiven verändert: Vor allem die Nasenaffen sowie die Siamangs  zeigten in wunderbaren und auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Anlagen absolut natürliches Verhalten. Über diese Art der Haltung sollten Dr. Maltzan und Dave Morgan später sagen: „Das Beste, was wir je gesehen haben.“

In anderen Bereichen jedoch muss noch vieles verändert werden. Gerade die Anlagen einzelner Großkatzen und Malaienbären  sowie verschiedener Primaten seien viel zu beengt, stellten Dr. Maltzan und Morgan fest. Diese Enge führe dazu, dass das normale und natürliche Verhalten sowie jegliche soziale Bedürfnisse der Tiere unterdrückt würden, so die Kritik der Experten. Zudem würden die Zootiere noch immer ohne jede Form der Regulierung von den Besuchern gefüttert, was das Leben und die Gesundheit der Zootiere massiv gefährden könne – gerade auch, weil das Management des Zoos die Fütterung bereits auf speziell ausbalancierte und den einzelnen Tierarten adäquate Futtermittel umgestellt habe. Diese Bemühungen würden jedoch von den  derzeit unkontrollierbaren Fütterungsaktionen der Besucher untergraben. Hier, so die beiden Experten, müsse dringend Abhilfe  geschaffen werden.

Dem Zoo selbst bescheinigten sie allerdings, großes Potenzial zu besitzen. Sie empfahlen dem  Management, weiterhin besonders großes Augenmerk auf die Erhaltung einheimischer, nur in Indonesien vorkommender Arten zu legen, um für die Zukunft gerüstet zu sein: Zu nennen wären hier beispielsweise die  bereits schon jetzt hervorragenden Nachzuchten bei den Balistaren, den Komodo-Waranen und den Babirusa (Hirscheber). Langfristig müsse zudem noch ein genaues Management-Programm  für den gesamten Zoo erstellt werden, das die Menge der gezeigten Arten sowie einen ausführlichen und vernünftigen Zuchtplan enthält, sowie die Umgestaltung von Gehegen vorsieht. Die Akademie für Zoo- und Wildtierschutz hat zusammen mit WildWelfare einen detaillierten Bericht für den Zoo von Surabaya über ihre Erkenntnisse und ihre Empfehlungen erstellt. Nun werden beide Organisationen  in Zusammenarbeit mit dem Zoodirektorium an der Weiterentwicklung und Verbesserung dieser sehr schützenswerten Einrichtung arbeiten, die einen wichtigen Part im Alltagsleben auf Surabaya einnimmt: Sie trägt maßgeblich zur Bildung und zum Sozialleben der Menschen dort bei. Vor allem soll sie die Bevölkerung dazu bringen, einheimische Arten wie den Orang-Utan kennen- und lieben zu lernen und deren Lebensräume zu schützen - statt den wirtschaftlichen Vorteil von Palmölplantagen zu suchen,  die Regenwälder zu verdrängen und die Lebensräume dieser Arten zu vernichten.


Der Zoo von Surabaya
Surabaya Zoo (Indonesian Kebon Binatang Surabaya or KBS)  ist 15 Hektar groß, Er liegt in der Stadt Surabaya im Osten der Insel Java in Indonesien. Gegründet wurde er ursprünglich 1916, dann aber mehrere Male verlegt. Seit 1939 existiert er nun schon an seinem heutigen Standort. Seit seiner Gründung wurde er die meiste Zeit von einer Gesellschaft verwaltet, seit 2013 untersteht er direkt der Stadt. Derzeit verfügt er über 30 Mitarbeiter, die ausschließlich für das Wohl der Tiere verantwortlich sind. Im Zoo von Surabaya leben etwa 3500 Tiere (200 verschiedene Arten).
Welche Tiere leben im Zoo von Surabaya?
Balistar, Komodo-Warane, Hirscheber (Babirusa), Malayenbär, Orang-Utans, Flußpferd und Zwergflußpferd, Suppenschildkröte (Chelonia mydas), Asiatische Elefanten, Siamang, Nasenaffen….

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