Das Projekt „Kondor“ in Bolivien

Er steht für Mut, Weitsicht, Kraft, Stolz und Freiheitsliebe: der Kondor. Deshalb spielt dieser Vogel - wie der Adler in Europa - im Selbstverständnis der Andenstaaten eine ganz besondere Rolle. Die Akademie hat im Zoo von La Paz ein in dieser Form einzigartiges Projekt zum Schutz des stark vom Aussterben bedrohten „Königs der Lüfte“ Südamerikas initiiert.

Es sind wunderbare Nachrichten, die die Akademie aus Bolivien erreicht haben: Das Projekt zum Schutz des Kondors in Bolivien nimmt mehr und mehr Gestalt an. Ende April 2017 hatte die Tierärztin Dr. Miriam Wiesner zusammen mit der Ethnologin Alexandra Falter noch einmal den Zoo Vesty Pakos von La Paz/Bolivien besucht, um ihn in veterinärmedizinische und tiergärtnerischen Fragen zu unterstützen und vor allem, um das Projekt „Kondor“ weiter voranzutreiben. Im dortigen Zoo Vesty Pakos leben insgesamt zehn Kondore. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Zoos war Ende 2016 ein Jungtier, „Illimani“, geschlüpft - nachdem die Akademie 2013 dort die Haltung und die Fütterung dieser Tiere umgestellt hatte. Damals hatte Vorstand Prof. Dr. Henning Wiesner angeregt, dem Wappentier des Landes, dem Kondor, ein eigenes Erhaltungsprojekt zu widmen mit dem Ziel, den Kondor eines Tages wieder im Freiflug über dem Land sehen zu können und die Bevölkerung so für seinen Schutz zu sensibilisieren. In der Zwischenzeit wurden im Zoo Vesty Pakos die Empfehlungen der Akademie umgesetzt. So wurde beispielsweise ein neues Gehege gebaut, in dem ein Pärchen isoliert von den anderen Kondoren nachzüchten konnte. Die Akademie will sowohl den Zoo als auch das Projekt auch künftig unterstützen. So hatte Dr. Miriam Wiesner bei ihrem Besuch in 2017 neben den Beratungen zum Projekt Kondor auch tiermedizinische Hilfe geleistet. So brachte sie ein nichtgängiges Inhalationsgerät wieder zum Laufen und behandelte diverse kranke Tiere, wie einen Brillenbären, einen Nandu und auch ein Borstengürteltier. Zudem gab sie Tipps zur besseren Ernährung und Unterbringung der Tiere, die auch umgesetzt werden.

Zur Vorgeschichte:

Bereits 2013 war Prof. Dr. Henning Wiesner zusammen mit der Tierärztin Dr. Miriam Wiesner und der Ethnologin Alexandra Falter nach Bolivien gereist, um den Zoo von La Paz in veterinärmedizinischen und tiergärtnerischen Fragen zu unterstützen. Im Rahmen dieser Reise war es neben einem Kurs zur Distanzimmobilisation mit dem Blasrohr auch ganz speziell um den fehlenden Nachwuchs bei den Kondoren gegangen. Henning Wiesner gab damals explizite Tipps, wie die Haltungsbedingungen dieser recht sensiblen Tiere verbessert werden können: So empfahl er, die Fütterung umzustellen und auf ein für diese Vogelart abgestimmtes Verhältnis von Calcium und Phosphor sowie auf ausreichend Spurenelemente und Vitamine im Futter zu achten. Zudem sollten brutwillige Tiere von ihren Artgenossen getrennt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Tiere gemeinsam in einer Voliere gehalten worden.

Mit der Trennung sollten die Vögel den nötigen Rückzugsraum erhalten, um in Ruhe zu brüten und ihre Jungen aufzuziehen – etwas, was bislang im Zoo von La Paz nicht gelungen war. Aus diesen Empfehlungen entstand das Projekt Kondor. Die Idee dahinter ist ein Erhaltungszuchtprogramm für das Wappentier der Andenstaaten, das in Zukunft wieder frei über La Paz fliegen soll – sichtbar für jeden. Zum Projekt gehört es auch, den Menschen profundes Wissen über diese Tierart zu vermitteln. Denn nur so ist der Kondor in freier Natur zu schützen.

Zum Kondor:

Dieser Aasfresser gilt in seinem gesamten Verbreitungsgebiet als „bedroht“, vor allem im nördlichen Bereich, also in Ländern wie Venezuela und Kolumbien ist er sehr selten geworden. Die Anden-Kondore werden meist vom Menschen vergiftet, mit der Begründung, sie würden sich an Nutzvieh vergreifen. Erschwerend für den Fortbestand der Art ist noch, dass Kondore bis 40 Jahre alt werden können, die Geschlechtsreife aber erst mit 5 - 6 Jahren erreichen, um dann nur alle zwei Jahre ein Jungtier aufzuziehen. Den Auswilderungsprogrammen von Zoos kommt daher besondere Bedeutung zu.

 

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