Kamerun - eine Reise im Zeichen des Tier-, Natur- und Artenschutzes

Praxis, Lehre, Forschung – auf diese Grundpfeiler stützt sich die Arbeit der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz. Daher zögerte Dr. Julia Gräfin Maltzan auch nicht, als sie ein Hilferuf der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) aus Kamerun erreichte. Dort sollte die Akademiechefin und Tierärztin in die Distanzimmobilisation von Wildtieren einführen, Studenten der Ecole De Faune fortbilden und im Zoo von Garoua kranke Tiere versorgen.

Ende April 2017 flog Dr. Maltzan zu diesem Zweck nach Kamerun. Dort reiste sie in den Nationalpark Bouba Ndjida, wo sie das Camp der Ecole de Faune besuchte. Zwei bis drei Mal pro Jahren fahren dort alle Studenten zusammen mit ihren Lehrern in die Nationalparks, um sich dort auch in der Praxis zu üben. Die Ecole de Faune in Garoua bildet etwa 40 Studenten pro Jahrgang in zwei Jahren zu Wildhütern aus und wird von jungen Menschen aus ganz Zentralafrika besucht. Sie untersteht dem Ministère des Forets et de la Faune und wird unter anderem von der GIZ unterstützt. Gelehrt werden dort in Theorie und Praxis Ornithologie, Botanik, Säugetierkunde, die Orientierung via Kompass und GPS und die Inventarisierung der Fauna. Fächer wie Pathologie werden allerdings kaum unterrichtet, ebenso wenig wie Tierkrankheiten, Epidemiologie oder auch Zoonosen. Zudem gibt es dort keine von extern unterrichteten Kurseinheiten zur länderübergreifenden Weiterbildung von Rangern, Tierärzten oder Biologen. Der Direktor der Schule, Monsieur Michel Babale, würde das gern ändern und bat die Akademie ein fünf- bis achttägiges Programm für eine solche Fortbildung auszuarbeiten, das 2018 länderübergreifend angeboten werden soll. Julia Gräfin von Maltzan versprach, hier im Sinne des Lehrauftrags der Akademie Hilfe zu leisten.

 Auch im Zoo von Garoua ist sie aktiv geworden. So hielt sie dort Vorträge zu den „Perspektiven und Möglichkeiten Zoologischer Gärten“ und den „Aufgaben des Zootierarztes“. Um die Notwendigkeit von Erhaltungszuchten als eine der vordringlichsten Aufgaben eines Zoos im Sonne des Artenschutzes zu dokumentieren, zeigte sie zudem noch den Film von Felix Heidinger (BR) ,„Der große Sprung in die Sahara“, der die Auswilderung der im Tierpark Hellabrunn gezüchteten und bedrohten Mhorrgazellen in Marokko eindrucksvoll dokumentierte.

 Doch auch die praktische Arbeit ließ Dr. Maltzan nicht zu kurz kommen: So gab sie 15 Zoomitarbeitern einen Kurs in Distanzimmobilisation mit dem Blasrohr und dem Narkosegewehr, führte in die Theorie der Ballistik und in die Anästhesie ein, erklärte das Befüllen der Pfeile und zeigte die richtige „Schießtechnik“ mit Gewehr und Blasrohr.

 Sie gab auch Tipps zur Handaufzucht einer etwa vier Monate alten weiblichen Giraffe, deren Mutter gewildert worden war und die im Alter von drei Wochen im Zoo aufgenommen worden war und an Durchfall litt. Dr. Maltzan stellte die Fütterung des Tieres um und gab Medikamente, die sie im Gepäck hatte. Eine Kotprobe des Tieres nahm sie nach Deutschland mit, um sie hier in einem Labor untersuchen zu lassen. Darüber hinaus impfte sie noch einige Primaten gegen Tollwut, operierte einen Vervet Monkey an der Schwanzspitze und untersuchte eine alte Femur-Fraktur, die einem Patas-Monkey eine Lahmheit an der linken, hinteren Extremität beschert hatte.

Die Akademie will den Zoo, aber besonders auch die Ecole de Faune in Zukunft unterstützen und damit dort aktiv einen Beitrag zu Hilfe zur Selbsthilfe im Bereich des Natur- und Artenschutzes leisten.

 Zur Rolle der GIZ in Kamerun:

Die GIZ ist seit mehr als 45 Jahren in Kamerun aktiv. Zurzeit arbeiten im Land 213 kamerunische und deutsche Fachkräfte sowie 24 Entwicklungshelfer. Kamerun ist die siebtgrößte Wirtschaftsnation in Afrika südlich der Sahara, ist reich an natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen und gilt trotz diverser Konflikte in der Vergangenheit und Gegenwart als Anker der Stabilität in einer krisengeschüttelten Region. Der GIZ-Mitarbeiter Hans-Jürgen Klein hatte den Kontakt zwischen der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz und der Ecole de Faune vermittelt.

Einfach ist die Aufgabe der GIZ offenbar nicht. Auf der Homepage der Organisation ist über Kamerun zu lesen: „Die kamerunische Gesellschaft steht vor erheblichen Herausforderungen. Verbreitete Korruption und dadurch verursachte ungünstige Investitionsbedingungen führen dazu, dass zahlreiche Entwicklungspotenziale ungenutzt bleiben. Unter den acht Milleniums-Entwicklungszielen verzeichnet Kamerun bei Armutsbekämpfung, Grundbildung und Gleichstellung der Geschlechter leichte Verbesserungen, die Ausbreitung von HIV ist nicht weiter fortgeschritten. Bei den anderen Zielen ist keinerlei Fortschritt zu verzeichnen.

Die kamerunische Regierung hat ihre Ambitionen 2007/09 in der „Vision 2035“ dargelegt, mit der Kamerun bis 2035 Schwellenland werden soll. Die abgeleitete Strategie für Wachstum und Beschäftigung löste die Strategie zur Armutsreduzierung ab. Die Regierung legt gegenwärtig großes Gewicht auf Infrastruktur- und Wirtschaftsentwicklung. Vorgelagerte Bereiche wie Rechtssicherheit und Regierungsführung werden in der Strategie weniger konkretisiert.

Der wichtigste Auftraggeber der GIZ in Kamerun ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie die Europäische Union (EU); die wichtigsten Kooperationspartner ist neben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Die GIZ hat sich in Kamerun unter anderem auch den Schwerpunkt Umwelt- und Waldpolitik gesetzt.“

Quelle und weitere Informationen dazu unter www.giz.de

 

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