Teil 1: Der Wolf (Canis lupus)

Canislupus

Wie gefährlich kann der Wolf uns Menschen werden?

Bereits drei Mal in diesem Jahr wurde er gesichtet: der Wolf, eine bislang aus der heimischen Tierwelt verschwundene Spezies. Doch nun taucht er wieder auf – und es könnte gut sein, dass er sich wieder in Bayern ansiedelt. Willkommen ist er bei den Experten, für viele Menschen jedoch löst sein Erscheinen Unsicherheit und Angst aus.
Zu Unrecht: „Wölfe sind äußerst menschenscheue Tiere und meiden den Zweibeiner  wie der Teufel das Weihwasser“, sagt auch Prof. Dr. Wiesner mit Nachdruck. Vielmehr handelt es sich um echtes Glück, wenn es gelingt, ihn zu sichten und dann auch noch ein Foto von diesem scheuen und seltenen Tier zu schießen, wie es erst vor kurzem im Allgäu geschehen ist.

Warum kommt der Wolf nach Bayern?

Grundsätzlich suchen wandernde Wölfe immer nach einem Revier. Deshalb ist davon auszugehen, dass es sich bei den Sichtungen wahrscheinlich um junge Rüden handelt. Die Aufnahmen aus Erding, die zwei Damen geschossen haben, zeigen vermutlich wirklich einen Wolf: Statur,  Schädelform, Gesichts- und Rückenfellzeichnung und der Schwanz auf den Erdinger Fotos sprechen dafür. Wären die beiden Fotografinnen noch näher an das Tier herangekommen, hätten sie vermutlich auch noch die für den Wolf typischen, leicht schräg gestellten Augen dokumentieren können. Der mit höchster Wahrscheinlichkeit dort abgelichtete junge Rüde ist auf Reviersuche. Jungwölfe leben mindestens im ersten Lebensjahr bei den Eltern und werden dann im Alter von etwa zwei Jahren von den Eltern aus deren Revier vertrieben.  Im Rudelverband jagen Wölfe nur im Winter, im Sommer jedoch leben sie zur Aufzucht der Jungen paarweise zusammen, wobei die vorjährigen Jungen noch geduldet werden. Übrigens bleibt ein Wolfspaar ein Leben lang zusammen. Die Paarungszeit der Wölfe ist im Winter ( Dez. – März ), die Tragzeit dauert 62 – 65 Tage. Dann bringen die Wölfinnen fünf  bis acht Welpen in einer Höhle zur Welt. Nach zehn bis 14  Tagen öffnen die Jungtiere ihre Augen. Sie werden zwei Monate gesäugt. Der Wolfsrüde beteiligt sich aktiv Vater an der Aufzucht  durch Beutebeschaffung.  

Wie kommt der Wolf nach Bayern?

Trotz der zunehmenden Zerstörung ursprünglicher Lebensräume durch die Zivilisation, nutzen Wölfe noch immer instinktiv uralte Wechsel. Diese „Wolfswege“ sind nach dem Fall der Mauer von Osten her wieder für die Tiere zugänglich. Deshalb sind in Brandenburg Wölfe bereits wieder heimisch geworden. Wie sich die Tiere dabei orientieren und wie sie die Wechsel finden, ist noch nicht ausreichend erforscht. Wissenschaftler schließen jedoch nicht aus, dass ihnen das Magnetfeld der Erde als Orientierungshilfe dient.

Kann ein Wolf ohne Rudel überleben?

Ja. Ein Wanderwolf ist durchaus in der Lage, auch allein Klauentiere wie Rehe oder Rothirsche zu überlisten und zu reißen. Er nimmt aber auch Aas an und sucht gerne Müllhalden auf. Als Opportunist langt er natürlich auch bei Schaf, Ziege und Hunden zu, wenn sie ihm quasi als gedeckter Tisch präsentiert werden. Seine Hauptnahrung dürfte aber gerade auf seiner Wanderschaft aus Mäusen bestehen.

Hat der Wolf eine Chance, auch in Bayern wieder heimisch zu werden?

Der Wolf gehört zu den streng geschützten Arten. Ob er bei uns in Bayern eine Chance hat, heimisch zu werden, ist nach Ansicht der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz schwierig zu beurteilen. „Man denke nur an den Braunbären Bruno“, sagt Prof. Dr. Wiesner. Außer im Nationalpark Bayerischer Wald hatte er bislang keine Chance, sich wieder anzusiedeln. Ein großes Risiko für den Wolf entsteht auch durch den relativ starken Verkehr auf Bayerns Straßen.

Unsere Meinung:
Beutegreifer wie Wolf, Bär und Luchs sind genuiner Bestandteil unserer einheimischen Fauna. Deshalb treten wir für mehr Akzeptanz dieser Tiere in ihrem angestammten Lebensraum ein. Wenn wir uns wünschen, dass Löwe, Leopard, Tiger, Nashorn und Elefant in den wesentlich ärmeren Ländern Afrikas oder Asiens überleben und geduldet werden sollen, müssen wir in unserem eigenen Land eine wichtige Vorbildfunktion erfüllen.


Copyright: Prof. Henning Wiesner/ Lea Grünberg
Akademie für Zoo-und Wildtierschutz e.V.

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